Zugfahren in Indien – Ganz ehrlich: Ich hasse Franzosen
Ganz ehrlich: Ich hasse Franzosen, nicht im kategorischem Imperativ, sondern weil sie der Grund für meine momentane Situation sind.
Ich sitze teile mir kauerend das Gepäckablagerost mit fünf Indern über wiederum weiteren neun Indern unter uns in einem Zug nach Kochi, meinem Ausgangspunkt für die Zugfahrt nach Neu Delhi.
Und wäre es mir möglich würde ich aus den weit geöffneten Türen den Zuges springen. Zuerst mein Rucksack, dann folglich ich. Beim Durschnittstempo von eruierten 16km/h schafbar, wobei ich erst einmal meine Schuhe im Kneul neben den anderen neun Indern unter mir identifizieren, isolieren und anschliessen desinfizieren müsste. Doch die Türen, bzw. Offnungen in der Wand des Zuges, sind von einer homogenen Masse, namentlich Menschen, verstopf. Die anderen Öffnungen, ich traue mich nicht Fenster zu sagen, sind leider vergittert. Also ist Flüchten auch keine Option, wie so oft im Leben.

(Einer der besagten Snackverkäufer – weiter auf dem Bild zu sehen: Das Gepäckablagerost inkl. Menschen)
Bleibt mir nur die Möglichkeit, die einem so jeder Lebenscoach in einer überteuerten Seminarreihe anpreist: Komfortzone vergrößern.
Gesagt getan, doch leider respektiere ich die Gattung Mensch zu sehr, als das ich mich gegen den ziehharmonikaspielenden Bettler, die kofferwerfenden Aussteiger und unzähligen laut schreienden Snackverkäufer (Chaiii, Chapati, Roti, Cooooofeeeeeeeeeee, Chaiiiii usw.) durchsetzen könnte. Ich bin dem Reisenden neben mir immer noch zu tiefst verbunden, mich aus der Menschenmasse zu sich hoch ins Gepäckrost gezogen zu haben…doch leider ist es mir nicht möglich, da er gerade damit beschäftigt ist, zu essen. Bei gefühlten 60 Grad, 4 Menschen pro m3 eine appetitliche Angelegenheit, wenn man bedenkt, dass Inder Ihre Nahrung i.d.R. ohne Besteck konsumieren und es bis zum nächsten Waschbecken 90m (m steht in diesem Fall für Menschen) sind.
Eigentlich ist es ja meine Schuld: Habe ich im letzten Beitrag noch das Bussystem in den höchsten Tönen gelobt, besteige ich schon am nächsten Tag, rein basierend auf der Empfehlung einer bekifften französischen Yogalehrerin, einen Zug um ganze 30 Minuten gegenüber dem Bus zu sparen. Doch sparen kann man nur, was einem kostbar, da in begrenzten Maßen vorhanden, und das ist meine Zeit nun gerade wirklich nicht.
Das der Zug bereits nach den ersten 30km eine Verspätung von 45 Minuten hat, spielt keine Rolle. Billiger als der Bus kommt es mich auch nicht, nur geht es in einem indischen Zug in der untersten von fünf Klassen durchaus menschlicher zu (wortwörtlich).