Alleppey und Kollam – Starbucks-Kaffeevergewaltigung & Villen
Gut, achten wir bei diesem Beitrag mal auf die Orthografie, auch wenn es mir schwer fällt, bei absolut überdrehter Musik, die aus den notorisch unterdimensionierten Boxen meines Buses nach Varkala, einem weiteren Küstenort Keralas, gegen die allgegenwärtige kommunistische Propagandamusik der Strassen, tampfer ankämpft.

(Konträr zur Mehrheit der Busfahrer war dieser Hindu und hat seinen Bus dementsprechende dekoriert)
Wie gesagt, ich komme gar nicht mehr mit dem Schreiben hinterher, seit dem wir den örtlichen Nahverkehr als Reisemöglichkeit innerhalb der Bundesstaaten für uns entdeckt haben. So am Rande erwähnt: Das Busnetz hier ist wohl das bestausgebauteste, was ich bisher in meinem Leben gesehen habe. Die Frequentierung Métro in Paris ist blanker Hohn dagegen. Busse, in alle Himmelsrichtungen, zu fast jeder Tageszeit und im Sekundentakt zu Spottpreisen. Genau so wie das Angebot an Hostels, 24h Check-In, sauber, geräumig und eine ausreichende Scheinsicherheit vermittelnd.
Also fasse ich nun mal fix die letzten Tage in einigen, meine Eindrücke aus Alleppey und Kollam beschreibenden, Worten zusammen. Irgendein Ort habe ich jedoch vergessen, mich wurmt jedoch welcher. Egal.
So habe ich gelernt, dass man auch nachts einem an einen Provinzbahnhof ansprechenden Mann, Vertrauen schenken darf, wenn der einem ohne zu fragen eine Bleibe offeriert. So stellte sich heraus, das der gute Mann ein 1A Guesthouse im oberen Stockwerk einer mediteranen Villa besitzt – unweit des Busbahnhofes, nur 5 Minuten Gehweg über eine kleine Fußgängerbrücke. Wirklich erste Sahne, selbst in deutschen Relationen. So zahlen wir runde 5 Euro die Nacht und hatten gute 80m2, zwei großzügig geschnittenen Terrassen, einer Küche und einem funktionierendem Kühlschrank, der es sogar zu schaffen vermochte die 745ml Kingfisher Bierflaschen, die unser Gastgeber für uns bereits kaltgestellt hatte, angenehm zu temperieren.

(Ausblick auf unsere zweite Terrasse, hier lässt es sich aushalten)
2 Bier sowie einem leckeren vegetarischem Kokussnusscurry (dafür lohnt es über Leichen zu gegen – Im WAHRSTEN Sinne des Wortes!) später ging es ans Eingemachte: Unser Gastgeber, welcher uns wieder einmal Weed verschaffen wollte, legte sich ins Zeug und präsentierte uns seine Castingshow-tauglichen Qualitäten als Singer/Songwriter. Eine in den Bahnhof einfahrende Eisenbahn konnte er übrigens auch wundervoll imitieren, falls die Frage aufgekommen ist beim Lesen. In meinem zweiten Leben werde ich ein Guesthous führen…
Nach einer rekordverdächtig spottbilligen Schiffahrt durch die Backwaters von Kerala (5 Stunden Bootfahrt für 30 Cent, inkl. Sonnenuntergang und Moskitoattakte) ging es dann weiter nach Kollam, laut dem Lonely Planet nur ein Durchreiseort, wo es nichts zu Touristisches zu sehen gibt. Genau richtig für uns.

(In den Backwaters Keralas, Hausboote inkl. Flatscreens und klimatisierten Räumen, mietbar mit Bordbesatzung für 2 Tage ab 60 Euro für 6 Personen)
Was haben wir da gemacht? Gut gegessen, uns mit kiloweise exotischen Früchten vollgestopft…

(Frittierte Kochbanane, der lokale Snack – ganz ohne Chemie, doch das macht sie nicht gesünder)
…und uns eigentlich sportlich betätigt. Eigentlich? Jop, denn es ist aussichtlos einem Fischer klarmachen zu wollen, dass man den Kutter selber durch eines der 900km langen Kanälchen der Backwaters schippern möchte. Nicht das er es nicht will, er begreift es einfach nicht, denn Indien ist DAS Service-affinste Land der Welt, m.M.n. Selber Bootfahrten bzw. den Fahrstuhlknopf betätigen passt da nicht ins Konzept. So zahlen wir dem guten Mann also 200 Rupien p.P. und ließen uns von ihm chauffieren. Naja, auch als Backpacker in Indien kann man sich mal etwas Luxus gönnen.

(Was ein harmonisches Dorf. Dezenter Wohlstand. Hier ist die Welt noch in Ordnung. Wasserschlagen, Papayabäume und überall der Geruch nach frischem Fischcurry)
Wie gesagt, nun gehts nach Varkala, einem Hippieort, wenn man meiner aktuellen Bibel, dem Lonlyplanet Glauben schenken darf. Und das kann man i.d.R. Nun wir sich ausgeruht und auf die 48 Stunden Zugfahrt (ich rechne mit 68 Stunden) nach Neu Delhi vorbereitet, wo dann mein Visa-Run auf die Botschaften beginnt.
PS: Dieser Beitrag wurde mit freundlicher Unterstützung des Indian Coffee House finanziert, drei leckerste Kaffees zum Preis des halben Zuckerbodensatz einer kleinen (entschuldigung) “tall” Starbucks-Kaffeevergewaltigung.
PSS: Mittlerweile in Varkala angekommen, meiner letzten Station in Südindien, sind wir bei einem notorisch (ich liebe dieses Wort!) kiffenden Exil-Franzosen (Beruf: Guesthouseführer aka Dauerchiller) und seiner Freundin (extrovertierten Yogameisterin) untergekommen, die DAS perfekte Bild einer “Open-Living-Community” (ich habe viele Franzosen getroffen auf meinem Weg, die genau das suchen in Indien, fragt mich nicht wieso). Das Haus nennt sich Rubybleu, und liegt einen Katzensprung zur Strandpromenade. Die Nacht im Doppelzimmer kostet 2,50 EUR pro Person, im Einzelzimmer 4 EUR – Küche kann gemeinschaftlich genutzt werden, der Haushund scheint etwas aggressiv.

(Ausblick von der Klippe unweit unserer Unterkunft Rubybleu in Varkala)
PSSS: Aktuell kann meine Reise so weitergehen, es läuft wirklich PERFEKT und alles wie von selbst. Ich freue mich so auf Delhi, wo ich einen indischen Friseur konsultieren möchte, mir Bollywood in einem 2000 Personen fassenden 3D-Kino und neue Kleidung verpassen möchte. Eine Party steht wohl auch auf dem Plan, denn wie wir wissen: Wenn die Inder eins können, dann feiern.
PSSSS: Nichts ahnend knallen zwei Fischer gerade einen 90kg Schwertfisch neben mich, der nun genüsslich auseinandergenommen wird.
PSSSSS: Genug mit dem PSSSS, jetzt geht’s Schwimmen.
















